Haftung in der Sozietät aus Rechtsanwälten und Steuerberatern

Wird ein Anwaltsver­trag mit ein­er Sozi­etät geschlossen, der neben Recht­san­wäl­ten auch Steuer­ber­ater ange­hören, so haften für einen Regres­sanspruch wegen Ver­let­zung anwaltlich­er Beratungspflicht­en auch diejeni­gen Sozien per­sön­lich, die selb­st nicht Recht­san­wälte sind.

Haftung in der Sozietät aus Rechtsanwälten und Steuerberatern

Eine Anwaltssozi­etät ist eine Gesellschaft bürg­er­lichen Rechts, sofern nicht aus­drück­lich eine andere Rechts­form gewählt wor­den ist1, wofür im Stre­it­fall keine Anhalt­spunk­te beste­hen. Vor der Anerken­nung der eigen­ständi­gen Rechtsper­sön­lichkeit der Gesellschaft bürg­er­lichen Rechts hat der Bun­des­gericht­shof angenom­men, dass ein Sozi­etät­san­walt ein ihm ange­tra­genes Man­dat im Zweifel zugle­ich im Namen der übri­gen Sozi­etätsmit­glieder annimmt, im Falle von Sozi­etäten unter­schiedlich­er Beruf­sange­höriger jedoch nach dem Partei­willen regelmäßig nur diejeni­gen Sozien in den Ver­trag ein­be­zo­gen wer­den sollen, die auf dem zu bear­bei­t­en­den Rechts­ge­bi­et tätig wer­den dür­fen2.

Diese Grund­sätze sind in dem hier vom Bun­des­gericht­shof entsch­iede­nen Fall nicht mehr anzuwen­den, weil der von der Schuld­ner­in geschlossene Anwaltsver­trag nach dem Erlass der Grund­satzentschei­dung des Bun­des­gericht­shofs vom 29. Jan­u­ar 20013 geschlossen wor­den ist4. Die eigen­ständi­ge Rechtsper­sön­lichkeit der Gesellschaft bürg­er­lichen Rechts hat zur Folge, dass eine Sozi­etät selb­st Part­ner­in eines Beratungsver­trages sein kann5. 6.

Wie sich aus der Ausle­gungsregel des § 164 Abs. 2 BGB ergibt, wird eine Erk­lärung in eigen­em Namen abgegeben, wenn die Umstände nicht hin­re­ichend deut­lich ergeben, dass sie in frem­dem Namen abgegeben wer­den soll7. Die vom Bun­des­gericht­shof bis­lang offen gelassene Frage8, ob der Ver­tragss­chluss durch einen Sozi­etät­san­walt nach dem Partei­willen typ­is­cher­weise die Sozi­etät verpflicht­en soll, bedarf auch hier kein­er Entschei­dung. Die Würdi­gung, die Sozi­etät sei Ver­tragspart­ner­in gewor­den, liegt im entsch­iede­nen Fall allerd­ings schon deshalb nahe, weil das Man­dat von mehreren Sozien bear­beit­et und auch ein bei der Sozi­etät angestell­ter Recht­san­walt hier­mit befasst wor­den ist. Eine Ausle­gung, wonach an Stelle eines Sozi­etäts­man­dats ein Einzel­man­dat eines Sozi­etätsmit­glieds begrün­det wer­den sollte, kommt unter diesem Gesicht­spunkt nicht in Betra­cht.

Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 10. Mai 2012 — IX ZR 125/10

  1. BGH, Urteil vom 03.05.2007 — IX ZR 218/05, BGHZ 172, 169 Rn. 11 []
  2. BGH, Urteil vom 16.12.1999 — IX ZR 117/99, WM 2000, 963, 964; vom 17.02.2000 — IX ZR 50/98, WM 2000, 1342, 1344 f []
  3. BGH, Urteil vom 29.01.2001 — II ZR 331/00, BGHZ 146, 341 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 26.06.2008 — IX ZR 145/05, WM 2008, 1563 Rn. 10; vom 05.02.2009 — IX ZR 18/07, WM 2009, 669 Rn. 10 []
  5. BGH, Urteil vom 26.01.2006 — IX ZR 225/04, WM 2006, 830 Rn. 9; vom 05.02.2009, aaO; vgl. auch § 51a Abs. 2 Satz 1 BRAO []
  6. BGH, Urteil vom 09.12.2010 — IX ZR 44/10, WM 2011, 1770 Rn. 7 ff []
  7. BGH, Urteil vom 13.10.1994 — IX ZR 25/94, WM 1994, 2233, 2334; vom 27.10.2005 — III ZR 71/05, NJW-RR 2006, 109 Rn. 6 f []
  8. BGH, Urteil vom 09.12.2010, aaO Rn. 15 []